Trading Grundlagen: Angst- und Gier-Index

Der Aktienmarkt und die damit verbundenen Handelsaktivitäten werden nicht selten von Emotionen geleitet. Dabei sind verschiedene Formen von Emotionen im Spiel. Vor allem aber bestimmen Angst und Gier das Verhalten der Anleger.

So hat der US-amerikanische Fernsehsender CNN den Angst- und Gier-Index (engl. Fear and Greed Index) zur besseren Einschätzung der Börsenstimmung entwickelt.

Im Folgenden wird erläutert, was diesen Index auszeichnet, welche Indikatoren bei der Bestimmung des Index eine Rolle spielen und warum er für Trader wichtig ist.

Was ist Angst- und Gier-Index?

Im Grunde genommen handelt es sich beim Angst- und Gier-Index um ein Instrument zur Messung der aktuellen Stimmung an der Börse.

Im Jahr 2012 stellte CNN Money, der Ableger des US-amerikanischen Fernsehsenders CNN, diesen Index vor. Dahinter liegt die Erkenntnis, dass Angst und Gier als die beiden wichtigsten Emotionen beim Trading gelten. Mit dem Index sollte erkennbar werden, wie realistisch und fair der Markt bewertet ist.

Der Angst- und Gier-Index kann ein guter Gradmesser dafür sein, seine Aktien dann zu verkaufen, wenn die Gier überwiegt – und zu kaufen, wenn die Angst vorherrscht.

Macht sich unter den Anlegern übermäßig viel Angst breit, werden Titel womöglich unter ihrem eigentlichen Wert gehandelt. Gewinnt die Gier die Oberhand, ist es nicht selten genau andersherum.

Wie wird der Angst- und Gier-Index berechnet?

Es gibt einige Faktoren – auch Indikatoren genannt – nach denen der Angst- und Gier-Index bestimmt wird. Auf die einzelnen Indikatoren wird in den folgenden Abschnitten noch etwas näher eingegangen.

Aktienkursdynamik (Stock Price Momentum)

Bei der Aktienkursdynamik wird der aktuelle Stand des Standard & Poor’s 500 Index mit dem Durchschnittskurs verglichen. Der Durchschnittspreis wird über einen Zeitraum von 125 Tagen ermittelt.

Bewegt sich der S&P 500 in der Nähe des Durchschnittskurses, würde sich der Angst- und Gier-Index im neutralen Bereich einpendeln. Liegt er darüber, dann schlägt das Pendel in Richtung Gier aus. Umgekehrt zeigt der Indikator die Angst an, wenn der S&P 500 unter dem Durchschnittswert liegt.

Aktienkursstärke (Stock Price Strength)

Darunter versteht man den Vergleich der Anzahl der Aktien, die jeweils ein Jahreshoch und ein Jahrestief erreicht haben. Als Maßstab werden hier die an der New Yorker Börse (NYSE) gehandelten Wertpapiere herangezogen.

Halten sich die jährlichen Hochs und Tiefs die Waage, würde das Pendel des Angst- und Gier-Index im neutralen Bereich landen. Überwiegt die Zahl der Hochs, führt dies zu Gier. Ist die Zahl der Tiefs dagegen höher, fördert dies die Angst.

Aktienkursbreite (Stock Price Breadth)

Anhand der Aktienkursbreite werden die aktuell steigenden und fallenden Aktien – genauer gesagt deren Handelsvolumen – verglichen. Bei einem Anstieg der Kurse und des Handelsvolumens kommt es zu Gier.

Treffen jedoch hohes Handelsvolumen und fallende Kurse zusammen, geht die Tendenz in Richtung Angst. Lässt sich kein klarer Trend erkennen, herrschen weder Gier noch Angst, d.h. der Wert pendelt sich im neutralen Bereich ein.

Put- und Call-Optionen

In diesem Fall steht der Vergleich von offenen Put-Optionen und Call-Optionen im Vordergrund. Eine hohe Anzahl von Put-Optionen deutet auf die Angst hin, während eine hohe Anzahl von Call-Optionen das Gegenteil anzeigt.

Und auch hier gilt: Wenn man keine eindeutige Tendenz erkennen kann, handelt es sich um ein neutrales Ergebnis.

Junk-Bond-Nachfrage

Bei der Junk-Bond-Nachfrage geht es um den Unterschied zwischen bestimmten Renditen. Genauer gesagt spricht man von Anleihen mit hoher Bonität, die als Investment Grade bezeichnet werden, und dem Junk-Bonus (Anleihen mit geringer Bonität).

Eine hohe Differenz deutet auf eine steigende Angst hin, das Gegenteil – auf Gier. Sind keine Ausreißer nach oben oder unten erkennbar, so geht die Tendenz in Richtung neutral.

Marktvolatilität

Ein weiterer Indikator ist die Marktvolatilität. Entscheidend ist dabei der CBOE Volatility Index (VIX). Der Durchschnitt dieses Index wird auf 50 Tage hochgerechnet. Liegt er über dem Durchschnitt, deutet dies auf mehr Schwankungen und Volatilität am Markt hin.

Somit ist dies ein Hinweis auf die Angst. Ein eher niedriger Index weist dagegen auf Gier hin. Bewegt sich der VIX nur leicht über oder unter dem Durchschnitt, ist das Ergebnis neutral.

Nachfrage nach sicheren Häfen (Save Haven Demand)

Auch bekannt als „Safe Haven Demand“, stellt dieser Indikator den Unterschied in der Performance zwischen den Renditen von Aktien und Staatsanleihen dar.

Der hier verwendete Zeitfaktor beträgt 20 Tage. Entwickeln sich Aktien besser als Staatsanleihen, die als sichere Anlagen gelten, dann deutet vieles auf Gier hin.

Wie wird der Index interpretiert?

Nachdem insgesamt sieben Indikatoren für den Angst- und Gier-Index in den vorangegangenen Abschnitten erläutert wurden, stellt sich die Frage, wie diese Indikatoren gemessen werden.

Dazu gibt es eine Skala von 10 bis 100. Im neutralen Bereich liegt der Index bei einem Wert von etwa 50. Oberhalb dieses Bereichs spricht er für Gier, unterhalb für Angst.

Zur Ermittlung des Wertes wird aus allen dargestellten Indikatoren ein Durchschnitt berechnet, der als Grundlage herangezogen wird.

Welche Faktoren beeinflussen den Angst- und Gier-Index?

Es gibt eine Reihe von Faktoren, die den Angst- und Gier-Index beeinflussen können, darunter:

  • Trends am Aktienmarkt
  • Weltpolitische Stimmung
  • Marktstimmung
  • Wirtschaftliche Gradmesser

Die Trends am Aktienmarkt sind einer der wichtigsten Faktoren für den Angst- und Gier-Index. Dabei werden verschiedene Aspekte wie Marktbreite oder Volatilität berücksichtigt.

Die Marktstimmung hängt nicht zuletzt von wirtschaftlichen Daten ab. So können sich zum Beispiel die Arbeitslosenzahlen, die Inflation oder auch das Verbrauchervertrauen auf die Börsenstimmung auswirken.

Eine positive Entwicklung könnte zur Gier beitragen, während eine eher pessimistische Stimmung den Trend in Richtung Angst treibt.

Auch die globalen politischen Ereignisse spielen eine Rolle. Bei Wahlen, Handelskonflikten oder allgemeiner Unsicherheit bewegt sich der Markt oft in Richtung Angst. Sobald sich eine gewisse Stabilität einstellt, schlägt der Trend wieder um.

Zu den weiteren Faktoren, die den Angst- und Gier-Index beeinflussen können, gehören psychologische Aspekte oder die Herdenmentalität sowie der Boom-Bust-Zyklus. Letzterer beschreibt das plötzliche Einsetzen einer Rezession nach einem vorangegangenen Hoch, das einige Zeit gedauert hat.

Warum ist der Index wichtig für Trader?

Der Angst- und Gier-Index ist für Trader wichtig, weil er eine Art Barometer für die aktuelle Stimmung am Markt ist.

Mit insgesamt sieben verschiedenen Indikatoren hilft der Index dabei, Trends zu erkennen und darauf basierende Entscheidungen zu treffen.

In diesem Zusammenhang muss jedoch darauf hingewiesen werden, dass der Angst- und Gier-Index nicht als einziges Instrument zur Bewertung der Marktstimmung verwendet werden sollte. Vielmehr stellt er eines von mehreren Instrumenten dar.

Zusammenfassung

Der Angst- und Gier-Index wird international auch als Fear and Greed Index bezeichnet.

Auf einer Skala von 1 bis 100 gibt er Aufschluss über die aktuelle Börsenstimmung. Zeigt der Index einen Wert von etwa 50 an, ist die Stimmung neutral. Liegt er deutlich darüber, deutet das auf Gier hin. Fällt er darunter, ist die Marktentwicklung eher von Angst geprägt.

Der Index wurde im Jahr 2012 von CNN Money ins Leben gerufen und besteht aus insgesamt sieben unterschiedlichen Indikatoren: Aktienkursdynamik, Aktienkursstärke, Aktienkursbreite, Put- und Call-Optionen, Junk-Bond-Nachfrage, Marktvolatilität sowie Save Hafen Demand (Nachfrage nach „sicheren Häfen“). Aus diesen Indikatoren wird letztlich ein Mittelwert als Score gebildet.

Für Trader stellt der Angst- und Gier-Index ein wichtiges Instrument zur Erfassung der Anlegerstimmung dar. Allerdings ist er nicht die einzige Methode. Die technische und fundamentale Analyse auf weiteren Ebenen ist ebenso wichtig.

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Olga Artyushina

Versierte Autorin und Redakteurin mit über 8 Jahren Erfahrung in der Erstellung und Lokalisierung von Inhalten für Unternehmen im IT- und Finanzdienstleistungssektor. Bevor sie ihre berufliche Laufbahn begann, studierte Olga Internationale Wirtschaftskommunikation an der Internationalen Hochschule SDI München. Ihre Leidenschaft für die Informationstechnologie brachte sie schließlich in diesen Bereich. Aktuell verfasst, übersetzt und lektoriert Olga verschiedene Textmaterialien zum Thema Blockchain und Kryptowährung.